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07.07.2018

Die Freuden des Reisens über Land

Offensichtlich manövriere ich mich immer mehr in die Ecke einer krassen Minderheit: Ich war auf Familienurlaub am Tempelhof und fuhr mit dem Zug zurück in den Norden. Dank meiner Smartphone-Ignoranz hatte ich nicht mitbekommen, dass mein ICE samt meiner Platzreservierung einfach gestrichen wurde. Schön, dass da dann ein anderer Zug fuhr, wenn auch ohne freie Sitzplätze und mit endloser Verspätung.

Neben mir unterhielten sich vier mittelalte Damen (also mein Alter) von Fulda bis  Hannover nahezu ununterbrochen über den aktuellen Stand derselben. Ständig wurde an den Mobilteilen kontrolliert, ob die Durchsagen auch stimmten, die Anzeigen abwichen, und ob das nun alles realistisch sei, oder eben nicht. Ein eigentlich eher unspannendes Thema wie Verspätung wurde so zu einem sechs Reisestunden füllenden Gesprächsgegenstand. Wissen die nichts sonst mit ihrer Zeit anzufangen?

Was mir besonders aufgefallen ist: fast jeder im Wagon hatte ständig sein Smartphone griffbereit, bzw. war nebenbei damit beschäftigt. Ein Wort zum Nachbarn, weiter Daddeln. Ein Blick aus dem Fenster, wieder zum Streichelteil.

Die Hauptaufmerksamkeit war eindeutig bei den Geräten. Zwei Menschen lasen ein Buch, einer ganz altmodisch eine Zeitung. Der Rest kollektiv gefesselt mit seinem Fokus in einer anderen “Realität“.

Was mich daran beunruhigt ist die fehlende Muße. Ich beobachte immer wieder bei mir selber, dass ich gerade in den Zeiten des Nichtstuns, der Langeweile, des Müßiggangs auf neue Ideen und Sichtweisen komme. Würde ich all diese Zeiten nun mit Chatten und Surfen im Netz füllen, wo bliebe der Raum für Neues?

Kann es sein, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Ideenlosigkeit in dieser Gesellschaft und dem zunehmenden Verschwinden von ungefüllter Zeit?

Ja klar, wir sind sehr gut im Erfinden immer raffinierter Technologien zum „Zeitvertreib“. Aber wo sind die neuen Ideen für die sich immer höher türmenden Fragen und Probleme?

Braucht es vielleicht eine kollektive Technologie-Diät? Das zumindest wär ein weiterer Geschäftszweig für mich: „Smartphonefasten an Bord – Ohne Netz und festen Boden“?

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