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29.03.2018

29.03.2018

Eine neue Wendung in der Antifouling-Frage hat sich ergeben: Der Antifouling-Experte, der das teurere System aufbringen sollte, ist eigentlich Auto-Folierer in Frankfurt. Er kann nur auf einem einzigen Primer arbeiten. Mhhh. Auch das preiswertere holländische System hat den Makel, dass die Folie aufwändig hergestellt, und nach 5 Jahren wieder “entsorgt“ werden muss. Wieder Mhhh.

Eine Recherche über meinen Bruder und seine Werft ergibt auf Nachfrage bei Renolit, dem Hersteller der teureren Folie, die auf einer Erfindung der Uni Bremen basiert,  dass die angepeilten Kunden eher im Multi-Millionärsbereich gesucht werden. Das schlagende Verkaufsargument ist dann auch, dass z.B. die Sunseeker Motoyacht am Ende der Saison immer noch 31 Knoten läuft, statt der Fouling bedingten 29 Knoten ohne Folie. Damit fallen mindestens 90% der normalen, umweltverschmutzenden Spaßboote durchs Raster. Offensichtlich wollen die bei Renolit zunächst keinen Umweltschutz, sondern vor allem Geld verdienen.

Stellt sich mir die Frage, warum ein System ausprobieren, welches durch seinen Preis letztlich für den normalen Segler unerschwinglich ist?

Durch “Zufall“ erfahre ich, dass der Hersteller des Antifoulings, mit dem wir um die Welt gesegelt sind, ein neues Produkt in der Testphase hat, welches auf dem Prinzip Froschhaut basiert: ein „Amphiphiles Hybrid System“,  Ein Anstrich, einfach aufzutragen, dessen„… hydrophile Polymere eine Hydrathülle ausbilden, die die Oberfläche als “Wasser” maskiert“. Durch die hydrophile Komponente haben Mikroorganismen Schwierigkeiten, die Oberfläche als besiedlungsgeeignet zu erkennen. Der Bewuchs wird verzögert.“, so die Beschreibung. Heißt also in der Praxis: Alle 3 Monate muss das Schiff entweder mindestens 12 Knoten fahren, was bei einer Rumpfgeschwindigkeit von 7,5 Knoten eher unwahrscheinlich ist, oder das Unterwasserschiff muss mechanisch gereinigt werden.

Das ist in Schweden und Finnland mittlerweile keine Problem, denn dort sind biozidhaltige Antifoulinganstriche bereits verboten und mechanische Bootswaschanlagen – ähnlich unseren Autowaschstraßen –  schwer im Kommen.

Leider gibt’s es so etwas in dem Revier, in dem ich mich bewege, noch nicht. Trotzdem werde ich auf dieses „Pferd“ setzen! Es ist einfach zu verlockend. Positiv ist:

  • Ein System, dass ich selbst anbringen kann.
  • Der Preis liegt mit ca. 350€ für mein Boot weit unter jeder Folie.
  • Nach ca. 6 Jahren muss der Anstrich erneuert werden, was durch einfaches Anschleifen und Überstreichen möglich ist.
  • Kein Biozideintrag ins Meer (und auch keine Trägerpartikel wie bei selbstpolierenden Anstrichen).
  • Keine Folien, die aufwändig produziert, angebracht und später entsorgt werden müssen.

Negativ ist:

  • alle ca. 3 Monate muss das Unterwasserschiff mechanisch gereinigt werden.
  • Freisetzung von Lösungsmitteln im üblichen Umfang eines herkömmlichen Antifoulinganstrichs beim Auftrag (aber nur noch ca. alle 6 Jahre).
  • Belastung der Umwelt bei der Produktion (vergleichbar mit der Folie?).
  • “Entsorgung” der über die Jahre aufgebauten Farbschichten durch Abschleifen (nach ca. 20 Jahren?).

Ich habe ich mich nun für dieses System entschieden. Bin gespannt, wie es sich in der Praxis macht, und werde natürlich darüber hier berichten.

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