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Meinungsänderung!

Singen und Reden für die Demokratie. Veranstaltungsinitiative vom Tempelhof…https://www.youtube.com/watch?v=QHmzE_I71LU

Liebe Mitmenschen,

Ich bin ein Glückspilz! Die überwältigende Mehrheit der Menschheit lebt gerade sozial isoliert, allein oder max. mit ihrer Familie Zuhause. Gespräche in der wirklichen Welt sind beschränkt auf Zweierrunden mit den unsäglichen 1,5 Metern Abstand dazwischen. Die Angst vor Ansteckung dominiert nach wie vor den öffentlichen Raum. Viele vermummen sich selbst da, wo es nicht gefordert wird, mit einer zumindest aus medizinischer Sicht sinnlosen Maske. In den sog. “sozialen“ Medien “entfreunden“ sich die Menschen in Scharen, weil sie plötzlich feststellen, dass sie nicht einer Meinung sind. Anstatt sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen, wie es für eine gesunde Demokratie lebensnotwendig ist, ziehen wir uns verstört in unsere jeweilige mediale Blase zurück.

Corona spaltet die Welt in Follower und Hater. Die Welt versinkt in einer angstgesteuerten Massenhysterie vor einem Virus, der nach allem was wir bisher an harten wissenschaftlichen Fakten haben, deutlich weniger gefährlich ist, als befürchtet.

Was aber hilft gegen Angst?

Darüber sprechen. Und zwar miteinander. Je mehr Menschen, desto heilsamer.

Und wo bleibt jetzt die Meinungsänderung?

Wer diesen Blog von Anfang an verfolgt hat, weiss, dass ich vor einigen Jahren aus der Gemeinschaft Tempelhof frustriert und Enttäuscht ausgetreten bin.

Dank meiner Frau und meinen zwei Kindern, die immer noch dort leben, bin ich trotzdem regelmäßiger Besucher in meinen segelfreien Zeiten.

Was ich derzeit erlebe, läßt mich meine Meinung zu dieser Gemeinschaft ändern:

Hier leben über 170 Menschen, die sich auch in Coronazeiten regelmäßig in großen Runden zum Gespräch getroffen haben (Tempelhof wurde als gesamtes Dorf als „häusliche Gemeinschaft“ eingestuft …).

Nein, es ist nicht nur idyllisch. Und es war auch nicht selbstverständlich. Auch hier am Platz gibt es wirklich ALLE Haltungen zum Virus.

Aber der große Unterschied: Hier reden die Menschen miteinander. Jeder kann seine Ansicht in den Runden sprechen und wird gehört. Wichtiger als die Meinung scheint aber die damit verbundene persönliche Befindlichkeit zu sein. Was sind meine Ängste, Hoffnungen, Zweifel, etc.. Werden diese mitgeteilt, entsteht wieder gegenseitige Empathie und damit Respekt vor den verschiedenen Blickwinkeln auf das Thema. Mit dem Respekt wächst die Bereitschaft die eigene Meinung nicht als Fluchtburg vor der großen Unübersichtlichkeit zu benutzen, sondern als vielleicht vorübergehenden Standort, den ich auch bereit bin für neue Erkenntnisse zu verlassen.

Mir wird immer mehr bewußt, wie kostbar es ist, dass Menschen sich im Gespräch physisch nah sein dürfen. Wie lebensnotwendig für einen echten Austausch.

Auch hier haben wir keine schnellen Lösungen. Aber wir haben die Möglichkeit in großer Runde miteinander zu sprechen und uns dadurch trotz unterschiedlicher Ansichten als Menschen nah zu sein.

Ich sehe nach wie vor viele der Entwicklungen im Dorf sehr kritisch, aber diese Grundhaltung der Gesprächsbereitschaft haut mich gerade um. Plötzlich schreibe ich als Kritiker und Ex-Genosse wieder von “wir“, wenn ich Tempelhof meine.

Vielleicht hatte Goethe doch recht, als er auf die Frage, was denn kostbarer wäre als Gold, diese Antwort gab: Das Gespräch.

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