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Wer hat Recht – und was nützt das überhaupt?

Gerade haben meine Lieblings-Mainstream-Nischenmedien-Mitarbeiter von den Krautreportern einen spannenden Artikel veröffentlicht mit dem bezeichnenden Titel:
„Diese Denkfehler spalten unsere Gesellschaft“.

Darin werden vier grundsätzliche Schwachstellen des menschlichen Denkens bzw. Wahrnehmens und der Art, wie wir uns jeweils unsere eigene „Wirklichkeit“ bzw. Wahrheit bilden, aufgezeigt.
Die vier Schwachstellen sind:
1. Der Wahrheitseffekt: Je öfter wir eine Information hören, desto eher glauben wir sie.
2. Der Negativitäts-Effekt – oder warum wir eine Vorliebe für schlechte Nachrichten haben.
3. Der Bestätigungsfehler – oder warum du immer Recht hast.
4. Kognitive Dissonanz – oder warum Widersprüche wehtun.

Diese vier Schwachstellen belegen eindrücklich, warum alle menschliche Wahrnehmung letztlich subjektiv bleiben wird. Bis auf wenige Ausnahmen! So sagt zumindest dieser Artikel. Diese wären z.B. die Gesetze der Physik. Aber auch da habe ich so meine Zweifel, denn selbst in diesem Feld der “gesicherten letzten Wahrheiten“ wurden über die Jahrhunderte immer wieder Entdeckungen gemacht, die diese Gewissheiten als eben genau dies entlarvten: Sie waren nur der aktuelle Stand des kollektiven Irrtums.
Wenn jetzt also mit genau dieser Argumentation, dass wir alle letztlich nicht wirklich wissen können, was gerade “Sache“ ist, gegen Andersdenkende in der Corona-Thematik argumentiert wird mit dem Tenor: „… andere können unsere Fehler leichter wahrnehmen als wir selbst. Ein guter Grund also, öfter mal andere um Rat zu fragen“, beweist das nur eines: Die Schreiberin folgt einem der Grundbedürfnisse des Menschen nach “im Recht sein“ und rät Menschen mit anderer Ansicht zur Umkehr. Mit gleicher Berechtigung könnten diese Andersdenker aber genau das von ihr selbst fordern.
Höre nur ich einen leisen Unterton mitschwingen, nach dem das Recht darauf, den Anderen zum Überdenken seiner Haltung aufzufordern, allein von der Summe der Anhänger der jeweiligen Ansicht abhängig ist?
Vielleicht könnte auch die Vehemenz der Spaltung in verschiedene Ansichten, für alle Beteiligten ein Indikator sein, hier grundsätzlich ein (ungelöstes) Thema zu vermuten, welches im offensichtlichen Dissens noch gar nicht erfasst wurde? Und welche Themen wären das im Umgang mit Corona?
Vielleicht ist es wirklich so kitschig-banal, wie Rumi in seinem viel zitierten Sprichwort gesagt hat: „Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
Stellt sich nur die Frage, wie wir zu diesem Ort gelangen. Momentan erscheint er mir immer utopischer zu werden.
Vielleicht ein Grund mehr, die “Wahrheitssuche“ zu lassen und mich auf den Weg ins Unbekannte zu machen?

4 Comments

  1. Mensch Ben,
    nun sieh doch nicht überall persönliche Gegner. Ich las z.B. ‘Ich überdenke meine Ansicht’. Es gibt bei Deinem momentanen Lieblingthema ganz sicher jede Menge Ungereimtheiten, Lobbyeinflüsse und falsche Entscheidungen. Allerdings ist die Erkrankung selbst, die Folgen für Einzelne und die Gesellschaft im Grundsatz nicht zu leugnen. Es leugnet auch niemand die spanische Grippe nach dem 1. Weltkrieg, die Masern, AIDS, oder SARS Cov1 im Jahr 2003. Im Zuge der Globalisierung bedrohen diese Infektionen nicht mehr geografisch abgegrenzte Gebiete sondern sofort die gesamte Menschheit.
    Ganz sicher falsch ist das Versäumnis die Pandemie als Chance zur Reformation unserer Denk- und Lebensweise zu sehen. Das ‘weiter so’ und ‘zurück zur Normalität’, die Hörigkeit auf Lobbyisten und Großunternehmen, die jegliche Änderung ablehnen sind die Fehler, die Querdenker und Randgruppen erst füttern. Wie selbstverständlich überlässt man es dem Mark alles zu regeln, schaut zu wie Goldgräber die Angst der Menschen ausnutzen, lässt Masken zu überhöhten Preisen anbieten, lässt Werbung zu die Schutz vorgaukelt wo keiner ist.

    Soll heißen, COVID 19 ist nicht nur eine Grippe, njcht von Verschwörern, Chinesen, Flüchtlingen, Juden oder sonst wem Erfunden worden sondern einfach eine neue Virusvariante die den SpSprung vom Tier zum Menschen überwunden hat. Die Ursache liegt bei uns selbst. Lebensraum einnehmen und dabei den Lebensraum der Tierwelt und anderen wegnehmen. Je bedingter die Verhältnisse, desto wahrscheinlicher ist der Sprung von Krankheiten. Zwischen Menschen und von Tieren zu Menschen.

    Das nun eine Regierung zu Beginn im Nebel stocherte, dass einige Maßnahmen falsch waren, dass Hilfen falsch verteilt wurden, sind Versäumnisse und Fehler einer wirtschaftshörigen Politik. Mittlerweile 60 000 Tote mit steigender Tendenz sind allerdings eine Tatsache.

    Das Querdenker rechtsradikal unterwandert sind ist nicht zu leugnen, wenn Du zu einigen Köpfen, die Du hier zitierst (Nein, nicht der Artikel und nicht die Krautreporter), einfach einmal recherchierst findest Du bedenkliche Ausagen. Irgendwelche Lungenfachärzte im vergangenen Frühjahr, irgendwelche impfwarnenden Ärzte dieses Jahr sind doch eher bedenkliche Gestalten.

    Noch einmal, COVID 19 zu leugnen ist dumm, die Gefährlichkeit zu leugnen ist fahrlässig. Dass Maßnahmen falsch waren ist unbestritten, dass Hilfen falsch verteilt wurden ist richtig.

    Gruß Tom

  2. Lieber Tom,
    wie schön, dass du weiter meinen Blog liest.
    Ich kann nicht erkennen, wie du dazu kommst, ich sähe überall persönliche Gegner? Ich habe eine andere Ansicht und kritische Anmerkungen zu dem besagten Artikel gemacht. Aber Gegner? Mich beschäftigt eher die Frage, wie wir weiter im Gespräch bleiben, wenn immer stärker die Tendenz ist, Andersdenkende einfach auszuschließen? Weil sie ja im Irrtum sind …

    Und noch mal ganz deutlich für alle: ich leugne nicht die Existenz von Corona. Das habe ich in diesem Blog noch nie getan. Wie kommst du zu diesem Schluss? Wie gefährlich diese Krankheit wirklich ist, kann ich selber nicht beurteilen. Dass diese Frage offensichtlich ein hohes Konfliktpotential selbst unter den verschiedenen Experten hat, macht mich aber hellhörig. Ganz im Sinne meiner obigen Anmerkung: Was ist denn das Thema darunter? Und nach wie vor denke ich, dass “Wissenschaft” ein Prozess ist. Wenn dann kritische Stimmen aus dem Prozess ausgeschlossen werden, macht auch dies mich nachdenklich.
    Fair winds,
    Ben

  3. Karl-Alfred Büttner sagt:

    Wenn kritische Stimmen aus dem Diskussionsprozess ausgeschlossen werden und nicht nur das, sondern gleich in die Nazi-Ecke gestellt werden oder als Dummköpfe bezeichnet werden,
    dann, lieber Ben, hat sich unsere Gesellschaft VON DER DEMOKRATIE VERABSCHIEDET und ist zur Meinungsdiktatur geworden…. Es geht ja soweit, dass diese kritischen Stimmen gemobbt werden bis hin zur Vernichtung der beruflichen wie auch privaten Persönlichkeit. Diese Entwicklung macht mich nicht nur nachdenklich, sondern wütend bzgl. meiner Ohnmacht, hieran auch nur geringfügig etwas ändern zu können. So etwas ähnliches hatten wir doch ab 1933…. – und wie ausbaufähig diese Entwicklung sein kann, haben unsere Väter und Mütter bis 1945 erlebt.

  4. Lieber Karl-Alfred,
    Danke für deinen Kommentar.
    Meine Vorfahren väterlicherseits waren damals ganz vorne mit dabei. Vielleicht ein Grund, warum ich heute eher hellhörig und empfindlich für solche Tendenzen bin? Zugegeben: im Moment eine nicht gerade einfache Haltung. Aber “einfach” war ja noch nie so mein Ding …
    Herzliche Grüße,
    Ben

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