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03.02.2018

03.02.2018

Bürokratie!

Laut einer klugen Untersuchung wünschen sich Menschen in Krisenregionen langfristig nicht Wasser, Nahrung, Frieden oder Geld, sondern Bürokratie! Eine funktionierende Verwaltung ist langfristig die beste und effektivste Entwicklungshilfe. Leider lässt sich dafür so schlecht Geld sammeln. Wer von Euch wird schon vom Bild eines glücklichen Verwaltungsbeamten in einem Katasteramt zum Spenden animiert?

Ich war zugegeben etwas verblüfft, als ich davon las. Habe ich doch mit meinem Experiment immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die deutsche Bürokratie eher humorlos auf meine Versuche reagiert hat, neue Wege im Umgang mit Geld zu gehen. Gelegentlich habe ich sie innerlich auch kräftig verflucht: Da möchte ich eigentlich nur auf meinem Schiff dieses Experiment machen. Schwupps wurde aus der Phoenix ein Ausbildungsfahrzeug mit aufwändigster Nachzertifizierung und jeder Menge Sicherheitsauflagen, ich selbst zum Charterskipper, der noch zusätzliche Führerscheine benötigte, und das Ganze wird zum persönlichen Intensivkurs in Steuerfragen rund um das Thema Schenkgeld, Betriebsvermögen (Ist das Schiff ein solches, ist das Experiment ein Betrieb?), Abschreibung und Anderes.

Als ich dann letzte Woche meinen Sohn Nils nach England zu seiner neuen Schule brachte, fuhren wir in Calais für eine gefühlte Ewigkeit durch die auf dem Bild oben zu sehenden “Sicherheitseinrichtungen“. Kilometer um Kilometer mit Nato-Stacheldraht bewehrten Doppelzäunen. Dazu Kameras, Bewegungsmelder, Flutlicht. Unwohlsein beschlich uns. Und böse Erinnerungen an Konzentrationslager.

Was das wohl alles gekostet hat? Nun halten wir damit die Flüchtlinge effektiv davon ab, nach England zu gelangen. Gleiche Anlagen finden sich in Griechenland und anderswo an den europäischen Außengrenzen.

Sind alle diese Zäune auch eine sichtbare Folge von Bürokratieversagen in den Ländern, aus denen die Menschen fliehen? Letztlich zahlen wir alle einen extrem hohen Preis für dieses Versagen.

Dieser Gedanke lässt mich fast ein wenig dankbar und auf jeden Fall mit mehr Achtung vor Ihrer Arbeit in das nächste Treffen mit den Fachleuten von Finanzamt oder BG-Verkehr gehen.

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