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07.06.2017

07.06.2017

Ein beunruhigender Gedanke zur Eifersucht:

Wenn wir wirklich lieben würden, dann sollte uns doch die Zunahme an Liebe, die durch eine weitere Begegnung unseres Geliebten mit einem anderen Menschen entsteht, von Herzen freuen. Warum verursacht uns dies aber vornehmlich Schmerzen und Verlustangst? Warum ist Eifersucht und die Angst vor ihr, eine unserer größten Schmerzquellen in Beziehung?

Was für eine Liebe ist es, die den Anderen exklusiv Besitzen will? Die es nicht erträgt, wenn seine Freude und Lust wächst, sobald sie nicht auf uns gerichtet sind?

Woher haben wir diese Urangst des Verlassen-Werdens?

1 Comment

  1. Stefan sagt:

    Lieber Ben,

    ich versuche mal, einen – hoffentlich – beruhigenden Gedanken hinzuzugeben, der auf dem Unersetzbarkeitsproblem aufbaut: In der Liebe zwischen zwei Menschen spielt geteilte Erfahrung eine so große Rolle, dass wir die/den Geliebte/n nicht austauschen können. Auch, wenn wir Menschen die Möglichkeit haben, die/den Geliebte/n durch eine (z.B. im ökonomischen Sinne) ‘bessere Partie’ einzutauschen, die augenscheinlich (temporär oder längerfristig; wer weiß das schon) besser zu einem selbst passt, sind sie nicht bereit.

    Das tröstliche Moment befördern wir mit diesem ‘Problem’ zu Tage, wenn wir unser Nachdenken über Liebe vor dem oben umrissenen Hintergrund umdrehen. Eifersucht entsteht als Reaktion auf den Bruch mit der in der Liebesbeziehung festgesetzten Exklusivität; wir haben das Gefühl, nicht mehr die/der Einzige zu sein. Es kommt uns vor, als teile die/der Partner/in etwas mit einer/m anderen, das vorher uns allein vorbehalten war. Und nun die Drehung: Die Einzigartigkeit von Liebesbeziehungen bleibt sogar dann bestehen, wenn wir das Gefühl haben, durch eine/n andere/n ersetzt zu werden. Weil interpersonelle Liebe in erster Linie mit geteilten Erfahrungen operiert, muss man den Verlust von Exklusivität nicht fürchten. Anders gesagt: Erfahrungen ist die Exklusivität eigen. Die Liebe verschwindet nicht, sondern ist immer da. Und da ist kein Betrug.

    Viel Kraft wünscht
    Stefan

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