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19.06.2017

19.06.2017

Das Wirtschaftsmagazin Brand Eins widmet sein aktuelles Heft dem Thema: “Ich zahle gern. Die Umsonst-Ökonomie und ihr Preis”…

Meine erste Reaktion: Super, jetzt haben sie das Thema doch noch aufgegriffen.

Nach dem Lesen macht sich nun Frust in mir breit. Nahtlos zieht sich wie ein roter Faden der Grundgedanke durch die verschieden Artikel: Alles hat einen Preis.

Mein Versuch, mit diesem Experiment gerade durch die Entfernung desselben, Verunsicherung und in der Folge neue Gedanken und Ansätze vor allem im Umgang mit dem Preis für unsere Lebenszeit zu ermöglichen, wird nicht mal am Rande erwähnt (obwohl ich ihnen vor Monaten bereits einen Artikel über mein Projekt angeboten hatte).

Mein Frust bezieht sich aber nicht auf meine gekränkte Eitelkeit. Mich wurmt vor allem die Hartnäckigkeit, mit der auf der totalen Ökonomisierung aller menschlichen Interaktion beharrt wird.

Ja, ich weiß, ich selber habe genau diese vor einigen Blogeinträgen beklagt. Und gleichzeitig ist in mir eine wilde Hoffnung, dass diese innere Rechnerei, diese akribisch Beziehungskonten führende Krämerseele nicht alles sein kann, wozu wir Menschen fähig sind.

Wenn dann der Theologe und Herausgeber der Zeitschrift “The European“, Alexander Görlach, mit folgenden Worten zitiert wird, bin ich am Grund meines Frusts angekommen:

„Die Umsonstkultur ist der Todesstoß für Anstand, Moral und Sitte in einer Gesellschaft.“

Das letzte Jahr meines Experiments hat gut gezeigt, dass diese These einerseits richtig ist: Obwohl ich den Preis meines Angebots im Finanzbarometer transparent gemacht hatte, hat die Mehrzahl der Nutzer die ihnen geschenkte Freiheit dazu genutzt, deutlich weniger als notwendig zu zahlen. Insofern hat Brand Eins mit seinem Kulturpessimismus durchaus Recht.

Auf der  anderen Seite hat mein Experiment mich und alle, denen ich davon erzähle, mit dem Auftauchen jener Gruppe  überrascht, die das Angebot nicht genutzt haben, aber 25%  der Einnahmen schenkten. Dazu kommen die Menschen, die deutlich mehr gaben, als den rechnerischen Durchschnittspreis.

Menschen sind also durchaus in der Lage, sich über ihre Krämerseele hinauszubewegen.

Vielleicht krankt unsere Kultur nicht so sehr am Fehlen dieser Fähigkeiten, sondern es mangelt uns (noch) an Gelegenheiten zu ihrer Übung und Anwendung?

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