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09.12.2016

09.12.2016

Vor 10 Tagen habe ich diesen Brief (mit zugegeben klopfendem Herzen) an den Bundesfinanzminister geschickt:

Schloss Tempelhof, den 29.11.2016

 

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

ich wende mich an Sie als Chef der obersten Finanzbehörde im Rahmen eines Kunstprojektes. Es geht dabei um die Frage, wie sich unsere Gesellschaft und die Menschen, die in ihr leben, verändern, wenn wir unsere Haltung zu Arbeit und Einkommen grundlegend neu ausrichten.

Bisher gilt in unserer Gesellschaft der Konsens: Arbeit ist die Bedingung für Einkommen.

Was geschieht, wenn wir das z.B. umdrehen in: Einkommen ist die Bedingung für Arbeit?

Zusammen mit 60 Teilnehmern haben wir das im Kunstprojekt UNBEZAHLBAR ein Jahr lang erforscht.

Neben spannenden Erfahrungen und Erkenntnissen, sind bei diesem Forschungsprojekt bisher 21.577,99€ geflossen. Ich schreibe bewusst geflossen, denn es handelt sich um freiwillig geschenktes Geld von Privatpersonen für meinen Lebensunterhalt und die Kosten des Projekts während der Teilnahme an dem Experiment in 2016.

Und hier kommen sie ins Spiel:

  • Wie ist diese Summe steuerlich zu bewerten?
  • Zahle ich auf die Summe Schenkungssteuer oder Umsatzsteuer und Einkommenssteuer? Oder fällt das Ganze eher unter Mäzenatentum?
  • Wie bewerten Sie es steuerrechtlich, wenn Menschen anderen Menschen aus freien Stücken Geld schenken?
  • Handelt es sich hier um Gewinne aus Glücksspiel? (Immerhin habe ich mein Glück sehr herausgefordert, in dem ich der Welt die Frage gestellt habe: “Bin ich es Wert versorgt und erhalten zu werden, wenn ich nicht um meinen Anteil kämpfe und verhandle, sondern ihn in die Verantwortung aller Menschen lege?“)
  • Ist das Projekt eine Forschungseinrichtung und die geschenkte Summe ist als Spenden für wissenschaftliche Zwecke zu betrachten? (Einiges spricht für diese Sichtweise, denn ich leiste mit diesem Projekt wertvolle Grundlagenforschung und Entwicklungsarbeit zum Thema Wirtschaftsethik, bei gleichzeitiger Lehre und Vortragstätigkeit. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse, sowie eine begleitende Studie eines Wissenschaftlers der Universität Flensburg sind in Arbeit.)
  • Generell interessiert mich Ihre Haltung zu der Frage, wie wir als Gesellschaft steuerrechtlich damit umgehen wollen, wenn nicht mehr die Arbeit eines Menschen bezahlt, sondern das Dasein der Menschen ermöglicht wird? (Dies auch vor dem Hintergrund der Frage einer innovativen Staatsfinanzierung in Zeiten des stetigen Verschwindens klassischer Erwerbsarbeitsplätze, zunehmender (bisher steuerfreier) Automatisierung und legaler Steuervermeidung globalisierter Großkonzerne.)

Wichtig ist mir zu betonen, dass es mir nicht um ebendiese Steuervermeidung geht. (Sonst hätte ich wohl kaum die Geldflüsse des Experiments im Netz veröffentlicht.)

Für den Fall, dass es für solche Experimente noch keinen passenden Steuerparagraphen geben sollte, möchte ich Ihnen den Vorschlag unterbreiten, ganz unbürokratisch 10% der Summe als Steuern und damit Beitrag zur Finanzierung unserer Gesellschaft zu überweisen.

Vielleicht könnte daraus ja ein neuer Trend entstehen, in dem sich das bisherige Gesellschaftsspiel: Wer kann am geschicktesten Steuern vermeiden, wandelt hin zu einem stolzen: Seht her, das ist mein/unser Beitrag zu unserem gemeinsamen Staat?

Hochachtungsvoll und in gespannter Erwartung Ihrer Sichtweise und Ideen,

Ben Hadamovsky

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