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Fake reality – oder die Macht der Gedanken:

Ein zwischendurch extrem rauher Törn hat mich in vier Tagen und drei meist schlaflosen Nächten von Sardinien 550 Meilen weiter nach Westen bis in das wundervolle Cartagena gebracht.

In der stürmischen Nacht der Reise, gerade auf der Höhe von Mallorca, blies es dann mit bis zu 35 Knoten (8 Bft.) und das leider von der Seite. Dazu heftige Kreuzsee, die nach kurzer Zeit Höhen von geschätzt 3,5 Metern erreichte. Das mag meine Anakiwa definitiv nicht. Die extrem steilen und engen Wellen rumpelten heftig gegen das Brückendeck, und es brauchte erst den einen Moment, wo eine besonders ungünstige See uns brechend voll von der Seite erwischte und so weit krängen ließ, dass ich uns schon auf dem Dach liegen sah, um für mich Kat-Anfänger zu realisieren: Hier ist Schluß. Grenze erreicht. Dieser Kurs ist gefährlich! Ab jetzt nur noch Wind und Wellen schräg von hinten.

Da wollte ich zwar nicht hin (weil Richtung Tunesien …), aber so drohte wenigstens keine Kentergefahr mehr.

Ok, wieder was gelernt. Die Lektion werde ich dank des Schrecks so schnell nicht vergessen. Was eigentlich blöd war, denn ich wußte bereits theoretisch, dass Wellen von der Seite für einen Kat schneller gefährlich werden als für einen Mono.

Nun sitze ich hier in Cartagena im T-Shirt bei 17 Grad, Windstille und Sonnenschein an Deck, kratze endlich die schadhafte Dichtung der Luke über meiner Koje raus und meine Gedanken wandern:

Eigentlich will ich schnell nach Westen, damit ich möglichst bald zurück zu meiner Familie kann. Da aber auch noch die Heizung in einem Rumpf ausgefallen ist, warte ich auf den Mechaniker, und der wartet auf Ersatzteile. Also nix mit weiter segeln, sondern in einem teueren Hafen liegen, Geld ausgeben und Warten.

Frust kommt auf. Stress. Ungeduld. Ärger. Plötzlich geht es mir schlecht (denke ich zumindest).

Dabei sitze ich in der Sonne, habe es warm, bin nicht Schiffbrüchig und das Geld reicht auch noch ein wenig.

Also alles nur in meinem Kopf … realisiere ich und bin mal wieder überrascht von der Schlichtheit meines Bewußtseins.

Ich muß schmunzeln über meine selbstgemachte “Wirklichkeit“, die ja eigentlich so garnicht existent ist. Denn “real“ – also wirklich – ist da nur ein Mensch in der Sonne an Deck eines Katamarans.

Der Rest ist Kopfkino. Geil, oder?

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