Zwangspause
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Weather permitting

Eine weitere schöne Lehre aus dieser Krise könnte lauten:

sprecht miteinander. Sprecht mit den Menschen vor Ort!

Genau das hatte ich die letzten Tage versucht. Offensichtlich am falschen Ende. Auswärtiges Amt und deutsche Botschaft in Paris: beide reagierten nicht auf Mails und auch bei den Versuchen jemanden ans Telefon zu bekommen, scheiterte ich regelmäßig entweder an überlasteten Leitungen, oder ich wurde nach endlosem Gedudel einfach aus der Warteschleife geworfen.

Als dann heute auch noch die Münzwäscherei im Hafen geschlossen blieb und auf meinen Anruf bei der angegebenen Nummer wieder nur ein Anrufbeantworter war, stieg in mir zum ersten mal richtiger Ärger über die Situation auf: Wenn ich schon festsitze, dann will ich wenigstens saubere Wäsche! (Ja, ja, ich weiss. Man kann auch von Hand waschen. Aber Bettwäsche z.B. ist in einem kleinen Schiffswaschbecken eher unpraktisch …)

Ich nutzte meine Wut und rief beim LKN (die sind für Küstenschutz zuständig) in Schleswig-Holstein an. Die waren erreichbar und sehr hilfsbereit. Ich wurde weitergeleitet zum Hafenmeister in Büsum. Ergebnis: Hafen ist offen. Dann verband er mich mit der Wasserschutzpolizei. Ein weiteres langes Gespräch. Offensichtlich gab es vor Ort nicht viel zu tun. Der freundliche Beamte machte sich beim Krisenstab des Bundes schlau und rief mich dann zurück. Weiteres Ergebnis: klar darf ich einreisen. Obwohl ich in Süddeutschland gemeldet bin. „Aber wo kommen wir da hin, wenn wir Seeleute nicht mehr in den Hafen lassen?“ So sein Kommentar.

Jetzt war ich in Fahrt. Überall im Hafen hängen seit gestern Verordnungen der zuständigen Behörde aus, die besagen, dass niemand mehr aufs Meer fahren darf.

Ich machte mich auf die Suche nach der zuständigen Stelle. Google Maps schickte mich in einen militärischen Sicherheitsbereich. Ich fragte eine Joggerin nach dem Weg. Sie wich erschrocken zurück, als ich aus zehn Metern Abstand einen Schritt auf sie zu machte. Nach längerem Suchen fand ich im hintersten Winkel eines gespenstisch verlassenen Militärkomplexes ein offenes Büro. Ein Mann in Zivil öffnete. „Non“, er sprach kein englisch, schickte mich aber zu zwei perfekt gekleideten, braungebrannten, sonnenbrillenbewehrten und glatzköpfigen Männern mit dem vertrauenerweckenden Uniformaufdruck: Gendarmerie maritime.

Die konnten englisch und fingen sofort das Telefonieren an. Nach einer halben Stunde hatten sie Namen und Mailadresse der zuständigen Person in der Behörde ausfindig gemacht. Da sollte ich mein Anliegen auf englisch vortragen.

Nach meinen Erfahrungen mit der Botschaft und dem AA war ich eher skeptisch. Aber nach zwei Stunden antwortete mir eine Dame in perfektem deutsch, dass ich den Hafen jederzeit verlassen könnte! Und ob ich so freundlich wäre, ihnen meine Abfahrtszeit mitzuteilen?

Cool. Wie anders sich die Welt plötzlich anfühlt. Ich hänge immer noch hier fest. Mindestens noch 5 Tage, da der Wetterbericht Starkwind aus Ost angesagt hat. Aber allein die Möglichkeit jederzeit segeln zu können, macht einen riesigen Unterschied!

2 Comments

  1. Wolfgang Lillpopp sagt:

    Moin Ben,
    Glückwunsch zu dem was du jetzt erreicht hast. Ich glaube, wenn du in Flensburg angekommen bist, hast du so viel Stoff um ein neues Buch zu schreiben. Also, halt durch und weiterhin viel Glück auf dem Katamaran. Alles Gute und bis bald in Flensburg.
    LG Wolfgang

  2. Tom sagt:

    Moin Ben,

    ich weiß nicht, ob Du Dir das in FL nicht zu einfach vorstellst. Im Grunde Ist der Hafen (wie alle anderen) gesperrt. Toiletten sind zu und eigentlich ist nur das Kontrollieren der Leinen gestattet. Hinzu kommt, Du reist ja nicht wirklich von See an, Dein Hafen wäre ja schon Büsum. In S-H gibt es ein Beherbergungsverbot. Touristen sind nicht mehr erlaubt, es sei denn sie waren schon vor den Maßnahmen hier. Wir haben Auslaufverbot, und auch unser Heimathafen bleibt geschlossen. Bislang soll all das bis zum 19.04.2020 gelten. Ob da reden hilft? Ich weiß es nicht.
    Viele Grüße
    Tom

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